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Was Seehofer klebt, hält auch

am 21.10.2012

Landkreisbesuch: Ministerpräsident zu Gast bei Delo und in der Erzabtei St. Ottilien

Von Gerald Modlinger

„Wenn Du keinen Sinn hast, nützt Dir auch Dein Geld nichts“, fasst Erzabt Wolfgang Öxler am Ende des Besuchs des Ministerpräsidenten in St. Ottilien zusammen und er formuliert damit gleichsam ein Resümee der Landkreis-Visite von Horst Seehofer. An der ersten Station beim Klebstoffhersteller Delo in Schöffelding rückten die materiellen Grundlagen der Gesellschaft in den Blick, bei den Missionsbenediktinern in St. Ottilien dann Sinn und Maß im Leben. Und zwischendurch ging es zwischen Forschungslabor und Kuhstall recht heiter zu.

Vor drei Wochen hatte die Staatskanzlei wegen eines Landkreisbesuchs im Landratsamt angeklopft und kurz vor Weihnachten schneite der Ministerpräsident nun noch herein. In der Staatskanzlei habe man schon den Termin für die Erzabtwahl in St. Ottilien vorhergesehen, gab Seehofer augenzwinkernd im Anschluss an das Mittagsgebet in der Abteikirche zu verstehen. Nach einem Eintrag ins Gästebuch zog die Besuchergruppe von der Klosterbibliothek in die Klosterökonomie. Im Milchviehstall erläuterte Pater Tassilo Lengger die klösterliche Landwirtschaft. Dabei erfuhr der Ministerpräsident auch, dass die Erzabtei bei seinem Nachbarn schon mal einen Zuchtstier gekauft hatte.

Anerkennung zollte der Ministerpräsident auch Cellerar Bruder Josef Götz – und zwar auf die Seehofer-typische, etwas zwiespältige Art: Der Klosterökonom würde auch einen guten bayerischen Finanzminister abgeben. Ähnlich hatte er in Schöffelding Delo-Geschäftsführerin Sabine Herold gelobt: „Ich bin sprachlos über die gewaltige Dynamik, die Sie hier versprühen“, tat Seehofer nach deren Firmenpräsentation kund und verglich die Unternehmerin mit Angela Merkel: „Im Vergleich mit Ihnen ist die Bundeskanzlerin eine bedächtige Frau.“

Danach wurde der Ministerpräsident zum Klebeversuch gebeten, da schien es ihm etwas mulmig zu werden: „Da fährt man mit Selbstbewusstsein hierher und dann wird man völlig demoralisiert“, kommentierte er die anstehende Prüfung. Er bestand sie jedoch, wie der anschließende Zugversuch zeigte: Die beiden Kunststoffplatten blieben aufeinander haften.

Im folgenden Gespräch mit Wirtschaftsvertretern beklagte Hirschvogel-Geschäftsführer Alfons Hätscher die steigenden Stromkosten. Seehofer sagte, man müsse die künftigen Einspeisevergütungen senken. Das müsse im ersten Quartal 2013 erledigt werden. Geschehe das nicht, sollten zumindest die Steuern und Abgaben, die der Staat auf den Strom erhebt, reduziert werden.

Fachkräfte- und Lehrlingsmangel sprachen Sabine Herold und Kreishandwerksmeister Michael Riedle an. Schnelle Lösungsmöglichkeiten hatte der Ministerpräsident freilich nicht parat. Gerade der Lehrlingsmangel sei Folge eines „sehr komplexen gesellschaftlichen Themas“, nämlich, dass für viele der Mensch erst mit Abitur und Studium beginne. „Dieses Bewusstsein muss durchbrochen werden.“

Um Schule, aber auch um Kirche und Staat, drehte es sich dann wieder in St. Ottilien. Der Leiter des Gymnasiums, Michael Häußinger, erneuerte seine Kritik am achtjährigen Gymnasium. Funktionieren werde das nur, „wenn man gebundene Ganztagsklassen“ habe.

Was kann und soll der Staat tun?

Pater Prior Claudius Bals sorgte sich angesichts des Rückgangs von Ordensleuten um den Bestand von alten Klöstern wie in Wessobrunn. Um diese Baudenkmale zu erhalten, sah er auch den Staat in der Pflicht. Angesichts der Vielzahl solcher Klöster sei das aber kaum machbar, gab Landtagsabgeordneter Dr. Thomas Goppel zu bedenken.

Es gehe ums rechte Maß, machte Seehofer mehrfach deutlich. Die Schule etwa könne nicht alle gesellschaftlichen Defizite beheben und nicht alle Lebensaufgaben könnten verstaatlicht werden. Und in der Ökonomie sei die Optimierung der Maximierung vorzuziehen, gab Seehofer auch an die Agrarvertreter gerichtet zu verstehen.

Mit dem Austausch von Geschenken (Porzellanlöwen aus der Staatskanzlei und das neue Lechrain-Buch und eine Fischplatte aus Dießener Keramik) endete die fünfstündige Visite des Ministerpräsidenten.

Quelle: Landsberger Tagblatt Nr. 296 vom 22.12.2012, Seite 19

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