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Volles Haus für einen der Euro-Väter

am 03.07.2013
Dr. Theo Waigel spricht in Kaufering

Von Romi Löbhard

„Wie sieht „Deutschlands Zukunft in Europa“ aus? Die Thematik lockte viele Kauferinger in die Gaststätte Lechau, wo Dr. Theo Waigel auf Einladung des CSU-Ortsverbands sprach. Waigel, fast zehn Jahre lang Bundesfinanzminister und einer der „Väter“ des Euro, blickte vor voll besetzten Reihen zunächst zurück bis weit in die Zeiten der Mark sowie der Europäischen Währungsunion und beleuchtete die Entwicklung hin zum Euro.

Anhand vieler Zahlen machte er deutlich, wie viel der Währungsausgleich zur Stabilisierung Europas vor Einführung einer gemeinsamen Währung gekostet habe. So habe beispielsweise vor 20 Jahren wegen Schwäche das britische Pfund aussteigen müssen aus dem Währungssystem, etwa zur gleichen Zeit habe Deutschland 90 Milliarden Mark zur Stützung des französischen Franc interveniert. Es habe viele Auf- und Abwertungen der verschiedenen Währungen gegeben. Dass die Einführung des Euro eine „Hoppla-hopp“-Geschichte gewesen sei, ist laut Waigel nicht wahr. „Der Euro wurde 20 Jahre lang vorbereitet“, erklärte der Finanzexperte und betonte, dass in dem Zusammenschluss vor allem die „Kleinen“ wichtig seien. Zum immer wieder „von Populisten aller Politrichtungen“ geforderten Ausstieg Deutschlands aus der gemeinsamen Währung sagte Waigel „würden wir heute aussteigen aus dem Euro, dann würde es ganz schön kalt werden um uns“. Auch sei mit finanziellen Verlusten zu rechnen; die bayerische Landwirtschaft beispielsweise erziele mit Exporten rund vier Milliarden Euro pro Jahr. „Die Wiedereinführung der Mark würde Verluste von bis zu einer Milliarde Euro bedeuten.“ Wir seien zwar heute die Genernation, „wir waren aber auch einmal Nehmer“, sagte Waigel und erinnerte an die Nachkriegszeit, als Deutschland beim Wiederaufbau von außen unterstützt wurde. Heute sei Deutschland eine „Insel der Glückseligen“, hochattraktiv für Investoren, mit einer Inflationsrate von nur zwei Prozent und einem Staatsdefizit, das sich demnächst ins Plus verkehre. „Wir sollten uns unserer Verantwortung in Europa bewusst sein“, forderte Waigel, „es wäre fatal, wenn wir uns zurückziehen würden“. Im Übrigen sei Deutschland der Gewinner der gemeinsamen Währung.

In der anschließenden Fragerunde ging es zunächst um gewährte Kredite an Schuldenländer. „Kredite zur Selbsthilfe – ja“, sagte der frühere Bundesfinanzminister dazu, für ihre Fehler müsse die nationale Politik aber schon selbst einstehen. „Wir haften nicht für die Schulden anderer Länder.“ Zur Insolvenz einiger Großbanken erklärte Waigel, er halte eine Bankenaufsicht für zwingend notwendig. Es fehle an Aufklärung, bemängelte ein Versammlungsteilnehmer, hier sei die Politik gefordert. Ob Spekulanten nicht gesetzlich Einhalt geboten werden könne, wollte ein weiterer Besucher wissen. Das sei schwierig, meinte Waigel dazu, aber eine gewisse Überwachung auch für die Hedgefonds, halte auch er für notwendig. „Ich bin mit ein paar Ausnahmen, gerade wegen der spekulativen Geschäfte, auch Anhänger der Transaktionssteuer.“

Quelle: Landsberger Tagbaltt vom 03.07.2013, http://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Volles-Haus-fuer-einen-der-Euro-Vaeter-id25879291.html, zuletzt aufgerufen am 04.07.2013

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